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Zu kaum einem Thema gibt es mehr Diskussionen, Verunsicherungen und Vorurteile als zum Impfen.

Zugegeben es handelt sich dabei auch um eine tierärztliche Leistung, die sogar von uns Tierärzten sehr unterschiedlich gehandhabt wird und zu der sehr unterschiedliche Empfehlungen ausgesprochen werden.

Zunächst mal ganz vorweg die Antwort auf die Frage, warum man überhaupt impfen sollte: Viele sehr schlimme, teils tödlich verlaufende Erkrankungen treffen wir heutzutage nur noch sehr selten an. Man könnte argumentieren, dass es daher nicht mehr nötig sei, so "intensiv" zu impfen. Fakt ist aber, dass wir diese Erkrankungen in Dtl. nur deshalb noch selten sehen, weil sehr breit und sehr ordentlich geimpft wurde und heute auch noch wird. Gerade die vielen "Wühltischwelpen" und "Autobahn- oder Kofferraumhunde" bringen Krankheiten wie Staupe und Parvo wieder nach Deutschland und sterben oft auch daran. In den letzten Jahren sterben leider wieder mehr Tiere, vor allem Welpen an Krankheiten, die wir in Deutschland lange für fast ausgemerzt hielten.

Deshalb gilt nach wie vor der Satz: "Alle nicht geimpften Tiere profitieren vom Impfschutz derer, die ordentlich geimpft sind!"

Nun eine kurze Erklärung, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass verschiedene Tierärzte unterschiedliche Empfehlungen abgeben. Manche Kollegen vertrauen wohl den neueste Untersuchungen wenig und impfen deshalb in alter Manier jedes Jahr alles.

Die allermeisten Kollegen aber beherzigen mittlerweile bereits die Empfehlungen der StiKoVet (Ständige Impfkommission Veterinär) oder der Vaccination Guidlines der WSAVA (Impfempfehlungen der World small animal veterinary association). Leider gibt es sehr viele unterschiedliche Impfstoffe, nicht nur auf dem deutschen Markt, welche aufgrund ihrer Zusammensetzung unterschiedlich gute Wirkungen am Immunsystem des Tieres erziehlen. Dem entsprechend können die einzelnen Impfstoffhersteller teilweise nur eine kurze (für 1 Jahr) Immunitätsdauer beweisen und müssen deshalb die Empfehlungen zur Auffrischungsimpfung entsprechend anpassen. Die verschiedenen Kollegen tun meiner Meinung nach gut daran, sich nicht über die Empfehlungen der Hersteller hinweg zu setzten, da man sonst keinen Impfschutz für das Tier vorraussetzen kann.

Auch immer wieder gefordert werden Titerüberprüfungen vor einer Impfung. Dies ist leider nur teilweise möglich. Für einige Komponenten der verschiedenen Impfungen bei Hund und Katze gibt es die Möglichkeit, wenn auch nicht immer kostengünstig, den bestehenden Impfschutz zu überprüfen, um danach besser einschätzen zu können, ob eine Auffrischung bereits nötig ist.

Wo es keinerlei Diskussionen geben darf ist, wenn es um die Durchführung der Tollwutimpfung geht. Handelt es sich beim zu impfenden Tier um eines, das am Grenzverkehr innerhalb der EU teil nimmt, so müssen die Anforderungen der entsprechenden EU-Verordnung erfüllt werden.

Über viele Jahre wurden unsere Tiere jährlich voll geimpft. Schon vor über 10 Jahren fingen wir Tierärzte damit an im jährlichen Wechsel s.g. große und kleine Impfungen durchzuführen. Seit einigen Jahren impfen wir in unserer Praxis nun nach den Empfehlungen der StiKoVet . Entsprechend gibt es für manche Impfstoffe bereits 3 Jahres-Impfintervalle.

Seit 2013 impfen wir Katzen mit dem einzigen in Deutschland zugelassenen komplett adjuvantsfreien Katzen-Impfstoff gegen Katzenschnupfen, Katzenseuche, Felines Leukämievirus und Tollwut. Seit 2016 gibt es für die diesen Impfstoff neue Zulassungen und damit die Möglichkeit unsere Katzen noch weniger zu impfen, sogar noch weniger als die StikoVet in ihren jüngsten Empfehlungen verlangt.

Egal ob Hund oder Katze, alle Impfprotokolle mit mehr als einjährigen Abständen zwischen den Wiederholungsimpfungen setzen eine sehr ordentliche Grundimmunisierung in den ersten beiden Lebensjahren, bzw. Impfjahren vorraus. Nur nach einer ordentlichen Grundimmunisierung ist ein ausreichnender Impfschutz zu erwarten und damit die Basis geschaffen, dass weniger Auffrischungen für eine ausreichende Immunität nötig sind.

Wie kann es sein, dass abweichend von den Impfstoffzulassungen, teilweise auch von Experten behauptet wird, dass nur wenige  Impfungen teilweise 5 bis 7 Jahre lange oder gar lebenslange Immunitäten erzeugen? Dies ist ein Einzelfällen sicher der Fall! Leider ist es nicht auf alle Tiere zu übertragen, denn in verschiedenen Studien kam es häufiger vor, dass der Impfschutz nach ca. 3 Jahren wieder deutlich zurück ging oder gar nicht mehr ausreichend war.

Leider wurde in den letzten Jahren auch festgestellt, dass ein gerade noch ausreichender Titer (ausreichend im Sinne wissenschaftlich gezogener Titergrenzen) nicht immer in der Lage ist eine akute Infektion unter hohem Infektionsdruck zu verhindern. Daraus müssen wir lernen, dass wir größt möglichste Impfintervalle nur festlegen könnten, wenn ausreichend Beweise existierten, dass auch diese dem einzelenen Tier Schutz böten. Leider können wir solche Beweise nur durch Infektionsversuche führen. Dabei handelt es sich um absichtliche Infektionen von Hunden und Katzen, deren letzte Impfungen unterschiedlich lange zurück liegen. Das Elend daran ist, dass der größte Teil der daraufhin erkrankten Tiere an diesen Erkrankungen auch sterben wird. Aus Tierschutz-Gründen denke ich deshalb, dass wir mit den bereits bewährten 3-Jahres-Intervallen ganz gut auskommen und diese auch keine zu große Belastung für unsere Tiere darstellen. Ich, persönlich möchte keine oft tödlichen Tierversuche unterstützen, nur um meinem eigenen Tier, auf Kosten der Versuchstiere, vielleicht ein paar Impfungen im Leben ersparen zu können .

Welche Impfintervalle nötig sind, wenn die anstehende Impfung vergessen wurde, hängt davon ab, in welchem Stadium des Impfprotokolls das Tier sich befindet und um welchen Impfstoff es sich handelt. Die Vorgehensweise kann in solchen Fällen deshalb uneinheitlich sein und muss individuell entschieden werden.

Zwischenzeitlich wird auch diskutiert, ältere Tiere nicht mehr zu impfen. Da unsere Tiere je nach Rasse und Größe unterschiedlich alt werden, finde ich es schwierig eine allgemein gültige Altersgrenze anzunehmen. Gerne entscheiden wir mit den Tierbesitzeren zusammen, ab welchem Alter es individuell möglich ist auf Impfungen generell zu verzichten.

Wie gesagt, die einzigste Impfung, über derenen Abfolge und Wiederholung wir nicht entschieden können / dürfen ist die Tollwut-Impfung.

Bei allen anderen Impfungen liegt es in der Entscheidung und der Verantwortung der einzelnen Tierhalter gegen was und wie oft sie ihr Tier impfen lassen.

Gerne sind wir zum Erstellen individueller Impfpläne bereit - sprechen Sie uns an!

Wenn nicht anders vom Tierhalter gefordert impfen wir nach einer Mischung aus Impfstoffzulassung und StiKoVet:

Zur Zeit werden für unsere Impfstoffe folgende Protokolle empfohlen:

Hunde:

8. LW (Lebenswoche): Staupe (S), Hepatitis con. (H), Parvovirose (P), Leptospirose (L) +Zwingerhusten (Pi)

12. LW: SHPPiL und Tollwut (T), wenn gewünscht auch zeitl. versetzt

16. LW: SHPPiLT

15. Monat: SHPPiLT

danach SHP und T alle 3 Jahre

und L und evtl auch Pi jährlich

 

Katzen:

8. LW: Katzenschnupfen (RC), Katzenseuche (P)

12. LW: RCP und Tollwut (T) bei Freigängern oder Grenzgängern

16. LW: RCP + evtl. T

15. Monat: RCP + evtl. T, danach individuell alle 2-3 Jahre

 

16.-25 LW: Leukose (L) (Felines Leukämie Virus)

3-4 Wochen danach: L

nach einem Jahr: L

danach jährlich bis zu einem alter von ca. 6 Jahren: L

ab einem Alter von ca. 6 Jahren noch 1x alle 3 Jahre: L

Bei Wohnungskatzen ist es möglich "L"ab dem 2. Lebensjahr nur noch alle 3 Jahre zu impfen.

 

Kaninchen:

1x jährlich gegen Myxomatose und  RHD, bevorzugt im Feb/Mrz

2x jährlich gegen RHD2 (mit Eravac beim Sammelimpftermin oder individuell mit Filavac V&C)

dabei können wir -wenn gewünscht- den Filavac- Impfstoff gegen RHD2 und den den Nobivac Myxo-RHD zeitgleich impfen (neue Studen haben die Verträglichkeit nachgewiesen!)

 

Für individuelle Impfpläne sprechen Sie und bitte an!

 

                                                                                                07/Mrz/2018

                                                                                                Marina Schmitt

 

 

 

 

 

 

 

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